- Sprache:
- Latein
- Herkunftsort:
- Italien (Padua)
- Entstehungszeit:
- 1429–1439 (Manuskript); 1354 (Text)s
- Transkription:
- [A]d quartum queritur, an represalie possint exerceri contra mulieres. Videtur quod sic, sicut enim mulieres capiuntur in bello et habent postliminium ut l. i., C. de capti., sic in hoc particulari bello. Sed dico quod in personam capi non possunt ut C. de off. eius qui. vi al. iu. gerit, Autentica Sed hodie, de cus. reorum [sic!], Autentica. Sed novo iure. Licet enim de iure gentium concedantur, tamen debet civiliter intelligi, ar. l. Si cui, ff. de servitute.
- Übersetzung:
- Viertens wird gefragt, ob Repressalien gegen Frauen ausgeübt werden können. Es scheint, dass dies möglich ist, da im Krieg Frauen gefangen genommen werden und ihnen das ius postliminii zusteht; vgl. l. i., C. de captivis. Folglich gilt dies auch in diesem speziellen Krieg.
Ich vertrete jedoch das Gegenteil, weil Frauen nicht persönlich gefangen genommen werden dürfen; vgl. C. de officio eius qui viam aliam iuris gerit, Authentica Sed hodie, de causa reorum, sowie Authentica Sed novo iure. Denn obwohl etwas nach dem Völkerrecht zulässig sein mag, muss es dennoch nach den Grundsätzen des bürgerlichen Rechts (civiliter) verstanden werden; vgl. arg. l. Si cui, ff. de servitute.
Methodische Hinweise:
Der vorliegende Text entstammt dem Traktat über das Repressalienrecht (1354) von Bartolus de Saxoferrato, wie er in einem juristisch-humanistischen Sammelband erhalten ist, der Johannes von Heltpurg gehörte. Heltpurgs Manuskript wurde zwischen 1429 und 1439 geschrieben, überwiegend in Padua und in einer Schrift, die als gotische Kursive bezeichnet wird, mit Bastardeschrift in einigen Teilen und späteren Ergänzungen durch andere Schreiber. Wie auf dem Bild ersichtlich, ist die Haupthand der Handschrift eine gedrängte scholastische Kursive, die für universitäre und juristische Handschriften charakteristisch ist. Die Buchstaben sind eng, schnell geschrieben und stark abgekürzt. Viele Wörter sind mit Kürzungen durch Suspensionszeichen, hochgestellte Buchstaben, Abkürzungsstriche und konventionelle Abkürzungszeichen des Rechtslateins gekürzt, der Text ist in einer Spalte mit langen Linien und wenig Dekor geschrieben. Diese Hand lässt sich zwischen der spätgotischen Kursive und frühen humanistischen Schreibgewohnheiten einordnen: Sie ist noch immer stark gekürzt und kantig, aber wurde in einem italienischen humanistischen Rechtskontext hervorgebracht, der mit der Universitätskultur in Padua verbunden war. Insgesamt ist die Schrift dicht und effizient, geeignet eher für Vorlesungsnotizen und andere Arbeitstexte als für luxuriöse Präsentationsausgaben.
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